Wichtigstes Zugpferd für Touristen
28th März 2006
Frank-Thomas Ziegler, ein in Mediasch geborener Kunsthistoriker, beschäftigt sich derzeit mit einer Studie zum Management des Brukenthalmuseums. Sein Ziel ist, ein museologisches Konzept zu entwickeln, wie eines der an Kunstschätzen reichsten Museen in Osteuropa sich besser nach außen präsentieren kann. In einem Gespräch mit HZ-Mitarbeiter Marcel Dumitru berichtete Ziegler von seinen bisherigen Erkenntnissen.
„Mein Ziel ist es, ein Konzept zu erarbeiten, das sowohl die Attraktivität für das Publikum als auch das Qualitätsmanagement ins Auge faßt. Dies kann den Entscheidungsgremien des Museums dazu dienen, eine Planungsalternative zu liefern“, so Ziegler. (Siehe Bild) Frank Ziegler ist nicht auf eigene Faust in Hermannstadt. Seine Initiative basiert auf einer Zusammenarbeit mit einem Wiener Büro für Museumsconsulting. An Optimismus mangelt es dem in Tübingen studierten Kunsthistoriker und Betriebswirt nicht. Die Rückkehr der 19 zur Brukenthalschen Sammlung gehörenden Gemälde aus Bukarest und die Ernennung eines neuen Generaldirektors böten aus seiner Sicht „die historische Chance, das Museum als das wichtigste Museum für Alte Meister in Südosteuropa“ zu etablieren. Dies hänge aber auch davon ab, ob das Interesse des Publikums entsprechend geweckt werden kann.
Ein Museum dürfe nicht nur die Tore zu seinen Reichtümern öffnen und die Interessensbildung für diese anderen kulturellen Institutionen überlassen. Es müsse verstärkt auch mit seinen verfügbaren Fachkräften auf die Menschen zugehen und ihnen die Informationen und die Betreuung anbieten, die sie wünschen. Die Kunsthistoriker könnten hier, so Ziegler, dem Neugierigen helfen, indem sie ihm nahebringen, worin der Wert dieser Gegenstände für ihn bestehen könnte. Sie könnten die stummen Zeugen einer weit zurückreichenden Vergangenheit zum Sprechen bringen und letztendlich einen Einblick ermöglichen in die versunkene Ideenwelt ihrer Vorfahren. Damit aber eine „denkmalpflegende Institution“, wie das Museum, sich nach außen öffne und einen langfristigen Dialog mit dem Publikum erreiche, müsse es seine Rolle als „Dienstleister an der Gesellschaft“ neu definieren.
So sieht Ziegler einen Bedarf am Erarbeiten von Informationsmaterialien und Katalogen und am Ausbau des Besucherservices. Die Entwicklung einer neuen PR-Strategie müßte in Siebenbürgen das Image des Brukenthalmuseums als aktive Bildungs- und Kulturstätte für alle Siebenbürger verbreiten. „Alle Siebenbürger, die sich dort treffen würden, müßten sagen können: Das ist unser aller Museum!“ Dazu müßte das Museum transparenter werden, sowohl hinsichtlich seiner kulturellen Strategie als auch hinsichtlich seines Managements.
Frank Ziegler, der sich auch in der Arbeitsgemeinschaft „Museenlandschaft Siebenbürgen“ und im Teutschhaus engagiert, sieht in dem Brukenthalmuseum das Potential eines „touristischen Zugpferdes für die ganze Kulturregion“. Die Gemäldegalerie könnte genutzt werden, um die Vielfalt siebenbürgischer Kulturtradition zu präsentieren. Derzeit weniger im Rampenlicht stehende Orte siebenbürgischer Geschichte könnten davon profitieren. Sicher dürfte bislang nur sein, daß dem Museum eine lange Zeit des Umbruchs bevorstehe. Ob die neuen Verantwortlichen und das Kulturministerium die Zeichen der Zeit erkennen? Das Publikum wird das letzte Wort haben. (Marcel DUMITRU)
Anm. der Redaktion: Der vom Kulturministerium ausgeschriebene und schon zweimal aufgeschobene Wettbewerb für die Besetzung der Stelle eines Generaldirektors des Brukenthalmuseums findet am 28. März d. J. in Bukarest statt. Ihm stellen sich der Archäologieprofessor Sabin Luca und die Museologin Dr. Maria Ordean.
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